27.08.2015

Mein erstes "Geistliches Wort"

hier auf der Homepage...


...möchte ich nutzen, um Ihnen eine  Frau vorzustellen, die mich sehr beeindruckt: Madeleine Delbrêl.

Sie lebte Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich und betrieb dort mit drei Kameradinnen eine Sozialstation. Als „Ordensfrau ohne Kloster“ lebte sie nach den Evangelischen Räten (Armut, Keuschheit, Gehorsam). Sie vereinigte tiefe Frömmigkeit, sozialen Einsatz und politisches Engagement in ihrer Person und wurde deshalb und wird bis heute liebevoll „Mystikerin der Straßen“ genannt.


Während meiner vergangenen 10 Jahre im Gemeindezentrum St. Elisabeth in Mainz-Kastel hat uns Madeleine Delbrêl, haben uns ihr „pastorales Konzept“ und ihre Texte immer wieder beschäftigt – und dabei ist sie mir ans Herz gewachsen.

So war es nicht weiter verwunderlich, dass auch im Gottesdienst zu meiner Verabschiedung dort Madeleine Delbrêl zu Wort kam, und zwar mit dem Text, den ich Ihnen unten gleich vorstellen möchte.

Dieser Text schlägt für mich die Brücke zwischen Mainz-Kastel-Kostheim und dem Ökumenischen Gemeindezentrum in Darmstadt-Kranichstein. Was ich am Leben und Wirken Madeleine Delbrêls so faszinierend finde, kommt hier gut zum Ausdruck:
Bei allem Planen und Bauen, bei jedem Lebensentwurf und auch in allen pastoralen Überlegungen und Konzepten, muss Platz sein für Gott und seinen Geist.


Wir müssen nicht alles selbst vollbringen, sondern dürfen in unserem Leben und Wirken Raum für Gott lassen; wir dürfen immer und überall mit Ihm rechnen!
Und wenn wir so unseren Weg gehen, werden wir überrascht sein und staunen, wo überall Gott zu finden ist – vielleicht gerade da, wo wir ihn am allerwenigsten erwarten…


Sollten wir unterwegs mit so einigen Banalitäten zu kämpfen haben, dann braucht uns das nicht zu entmutigen, sondern wir dürfen uns in guter Gesellschaft wissen und darauf hoffen, dass Gott uns auch darin entgegen kommt.


Aber jetzt will ich Madeleine Delbrêl selbst zu Wort kommen lassen:

Lasst euch finden
Geht in euren Tag hinaus
ohne vorgefasste Ideen,
ohne die Erwartung von Müdigkeit,     
ohne Plan von Gott,
ohne Bescheidwissen über ihn,
ohne Enthusiasmus,
ohne Bibliothek –
 
Geht so auf die Begegnung mit ihm zu.
Brecht auf ohne Landkarte –
und wisst, dass Gott unterwegs zu
finden ist, und nicht erst am Ziel.
 
Versucht nicht,
ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens.

 
So freue ich mich, wenn wir von jetzt an gemeinsam unterwegs sind, um Gott und Seine Spuren in unserer Welt und in unserem persönlichen Leben zu entdecken

Ihre Pastoralreferentin
Sonja Knapp


 

 

Ökumenisches Gemeindezentrum